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Großes Interesse an der Gründung eines Helferkreises für Asylsuchende

Helferkreis Asyl Info
Die Initiatorin der Helferkreis-Infoveranstaltung Michaela Kunze-Venus, Pfarrer Pater Martin, die Referentinnen Anita Karl und Ursula Erb, Seminarleiter Rudolf Mahlmeister und Bürgermeis-ter Hans Hornberger (von links)

Über 60 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer konnten bei der von der Gemeinde unter Federführung der Jugendbeauftragen und Gemeinderätin Michaela Kunze-Venus initiierten Informationsversammlung im Pfarrheim St. Wolfgang interessante und aufschlussreiche Tipps, Eindrücke aus der Erfahrung und Ratschläge aus der Praxis für ein Engagement bei der ehrenamtlichen Mitwirkung zur Unterstützung von Asylbewerbern mit nach Hause nehmen.

Bürgermeister Hans Hornberger richtete ein Dankeschön an Pfarrer Pater Martin und den Pfarrgemeinderat für die bereits gut funktionierende Kooperation mit der Pfarrei und die Bereitstellung des Pfarrheimsaals für die Deutschkurse für Asylbewerber und zum heutigen Tagungsabend. Er stellte fest, dass in der Gemeinde in privaten Unterkünften in der Eichenfeldstraße sei längerem 20 bis 25 und im Quellenweg rund sieben bis zehn Asylsuchende Aufnahme gefunden hätten und bislang keine Probleme aufgetreten sind. Er dankte besonders Frau Zahnärztin Gisela Sandmann und den ehrenamtlich tätigen Lehr- und Unterstützungskräften für ihre Initiative ehrenamtliche Deutsch-Sprachkurse in der Mittelschule abzuhalten, sowie Frau Petra Peschke für die Unterrichtung im Rahmen eines Sprachkurses der Bundesagentur für Arbeit im Pfarrheim, sowie der Jugendbeauftragten Michaela Kunze-Venus für die Vorbereitung der Helferkreisgründung und den anwesenden Referenten.

Eingangs stellte Rudolf Mahlmeister, Seminarleiter der Hanns Seidel Stiftung, mittels Power-Point-Präsentation die Orientierungsziele der Stiftung vor, mit derzeit 102 Projekten in 60 Ländern, vor. Frau Ursula Erb, Koordinatorin der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligen-Agenturen, lagfa Bayern e.V., Projektleiterin für Sprachförderung von Asylbewerbern durch Ehrenamtliche, zeigte die Wandlungen der Ehrenamtstätigkeit beginnend um die Jahre um 1800 bis in die heutige Zeit auf. Interessant sei, dass nach den vorliegenden Erkenntnissen sich seit Jahrzehnten die 30 bis 60jährigen am stärksten in Ehrenämtern engagieren. Gefolgt von der Altersgruppe der unter 30jährigen mit einem Prozentanteil von 40 % und gerade diese Altersgruppe sich bei der ehrenamtlichen Betreuung im Asylbereich noch stärker einbringt.

Im Vordergrund des ehrenamtlichen Engagements solle immer das „Willkommen heißen“, das heißt für einen Fremden den sie nicht kennen Gutes tun, stehen. Wenn Flüchtlinge zu uns kommen, sollen sie feststellen und sie stellen das auch fest, dass sie in einem Land sind, in dem es einen Artikel 1 des Grundgesetzes gibt, „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, Gäste sind. Es muss ihnen aber auch näher gebracht werden, dass unsere Gesetze hier gelten und auch einzuhalten sind, wie z.B. dass bei uns die Gleichberechtigung von Mann und Frau gilt und das Kinder nicht geschlagen werden dürfen. Ihre Erfahrungen zeigen, die Asylsuchenden freuen sich, dass sie lernen dürfen. Wichtig ist auch den Gästen zu vermitteln, wie „tickt“ Deutschland und wie „tickt“ der Helfer. So muss die für uns besonders typische „deutsche Pünktlichkeit „ erst vermittelt werden. Der öffentliche Nahverkehr, der Bus fährt bei uns pünktlich zur angegebenen Uhrzeit ab. Einem eventuellen Zuspätkommen liegt deshalb keinesfalls Boshaftigkeit zu Grunde. Auch die christliche Prägung unseres Landes und unsere Sitten dürfen ihnen vermittelt werden. Auch ein „Grüß Gott“ darf auch den Muslimen gelernt werden, denn auch im arabischen Raum wird sehr wohl zwischen dem gesprochenen Wort und der Schriftsprache unterschieden. Der Helfer sollte auch sofort erklären, dass er für seine Arbeit mit ihm kein Geld dafür erhält, denn das wird sehr geachtet und fördert den Respekt. Respekt hat gerade auch im afrikanischen Raum und im Nahen Osten einen hohen Stellenwert.

Alles was der Ehrenamtliche an Wissen an die Flüchtlinge weitergibt, kann der andere zu Hause in seinem Heimatland früher oder später brauchen. Aber auch jeder Tag, an dem man miteinander lernt, ist für den Helfer und den Geholfenen wichtig, denn jeder kann voneinander lernen.

Den zukünftigen ehrenamtlich Tätigen legte Referentin Erb aber auch nahe, den betreuten Personen nicht alles abzunehmen, denn sie haben durchaus Qualitäten zum Überleben, wie ihre Reisewege oft zeigen. Für den Helferkreismitarbeiter gilt immer, sich einen eigenen, für den Einzelnen, verkraftbaren zeitlichen Rahmen für die Ehrenamtstätigkeit zu setzen.

Aber auch die möglichen Rechtsformen, in denen ein Helferkreis sich gründen kann, Fragen zum Versicherungs- und Impfschutz, zum Datenschutz von personenbezogenen Daten, die Notwendigkeit von Führungszeugnissen, weitere Verhaltensregeln, wurden angesprochen und näher erläutert.

Frau Anita Karl, Kreisrätin und Mitbegründerin des Helferkreises Asyl in der Stadt Bogen gab einen Abriss über die Aufbauarbeit und die Wirkungsfelder des Helferkreises ihrer Heimatstadt, in dem sie bereits dreieinhalb Jahre tätig ist und in dem aktuell rund 25 Ehrenamtliche aktive Arbeit leisten. Sie berichtete über die Aufnahmesituation in Bogen und ihre bisherigen durchwegs positiven Erfahrungswerte. Das Wichtigste sei, dass die Flüchtlinge das Willkommensein spüren. Sie sollen spüren, mein Helfer ist für mich da, er hört mir zu. Notwendig und wichtig ist auch, dass der Helferkreis mit z.B. mit Gemeinde, Landratsamt, Caritasverband und der geschaffenen Koordinierungsstelle für Helferkreise vernetzt werde und dass Sprachkurse angeboten und durchgeführt würden. Auch die Hilfe bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche und der Möbelbeschaffung anzubieten und ggf. kursierenden negative Gerüchten durch Nachprüfung zu widerlegen, seien weitere Aufgaben.

In der sich anschließenden Diskussion wurden aus dem Besucherkreis verschiedene Anfragen speziell Betreuung von Frauen mit Kindern, zu Erfahrungswerten von Ehrenamtstätigkeiten in Großstädten herangetragen und die künftigen Helferkreismitglieder eingeladen, in die mittwochs ab 16.00 Uhr stattfindenden ehrenamtlichen Sprachkurse in der Mittelschule hinein zu schnuppern und erste Kontakte zu knüpfen.

Zum Schluss der Informationsversammlung zeigte sich eine positive Bereitschaft zur Gründung eines Helferkreises. Viele erklärten sich bereits durch Eintragung in eine Vormerkliste bereit, dort mitzuwirken. Weitere Interessierte sind jederzeit willkommen und können sich im Rathaus hierzu melden. In rund drei Wochen wird dann eine Helferkreisgründung erfolgen. In der Presse wird dieser Termin entsprechend bekanntgegeben und hierzu eingeladen werden.

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